Prozessmanagement für Druckereien (Teil1)

Unsere neue Artikelreihe mit theoretischer und praktischer Betrachtung

Prozesse und deren Automatisierung sind derzeit, auch aufgrund der aktuellen Thematik „Industrie 4.0“, in aller Munde. Doch was genau bedeutet das für die Druckereien?

Können und sollen sich die Drucker mit dem Thema beschäftigen und was bedeutet das in Konsequenz für die Druckereien? Welche Mittel und Methoden gibt es, um Prozesse zu optimieren?

In loser Folge werden wir hier im Obility Blog das Thema „Prozessmanagement für Druckereien“ sowohl theoretisch, als auch praktisch beleuchten, Ansätze aufzeigen und konkrete Beispiele aus der Praxis vorstellen.

Grundlegende Betrachtung, vom Handwerk zur Industrie

Die Drucker als „Jünger der schwarzen Kunst“ sind sehr stolz auf die Erfindung des Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg und wahren die Traditionen und Bräuche (Gautschen). Diese Traditionen und Bräuche sind schön, wichtig und müssen unbedingt bewahrt werden. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass sich die Industrie derzeit in einem sehr dynamischen Transformationsprozess befindet, der natürlich auch vor unserer Branche nicht halt macht.

Leider erleben wir häufig in Gesprächen, dass diese Erkenntnis nicht bei allen Jüngern Gutenbergs ankommt. Diejenigen aber, die sich den Herausforderungen der neuen Märkte offen stellen und sich mit ihrem Unternehmen auf diesen Transformationsprozess einlassen, so unsere Erfahrung, können sich auch auf dem derzeit sehr schwierigen Markt behaupten.

Bis in die 90er Jahre war die Welt für die (meisten) Druckereien noch in Ordnung. Es handelte sich primär um einen Verkäufermarkt wo der Kunde meist bei der Druckerei seines Vertrauens bestellt hat und der Verkauf von Drucksachen noch sehr beratungsintensiv war. Sicherlich hatte man hier und dort auch mit dem ungeliebten Einkäufer zu tun der den Preis drückte, aber im Großen und Ganzen konnten die Aufträge wirtschaftlich produziert werden.

Aufgrund mehrerer Faktoren hat sich dieser Markt vom Verkäufer- zum Käufermarkt gewandelt. Zum einen hat hier sicherlich die Globalisierung der Märkte mit dem einhergehenden Angebotsüberschuss ihren Teil dazu beigetragen. Zum anderen, und das ist sicher der ausschlaggebende Teil, ist wohl der rasante technologische Fortschritt für diesen Wandel verantwortlich, der mehr oder weniger direkt Einfluss auf die Druckbranche genommen hat. Sicherlich gab es auch schon zu früheren Zeiten technische Neuerungen die sich mittelbar und unmittelbar ausgewirkt haben, aber nie hat der Wandel innerhalb so kurzer Zyklen stattgefunden.

Was ist genau passiert?

Durch neu aufkommende Technologien konnten Druckereien, die diese Innovationen nutzten ihre Prozesseffizienz verbessern und sich somit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Das begann direkt mit der Erfindung Gutenbergs. Zwar nimmt man an, dass die Herstellung der 180 Gutenberg-Bibeln 2 Jahre dauerte, allerdings war das deutlich effizienter als eine Schreibstube voller Mönche.

Und so ging es weiter: Die Spindelpresse Gutenbergs wurde durch den Tiegel abgelöst, der Offset verdrängt den Buchdruck, CTP löst die Filme ab usw. Transformationen aufgrund technologischer Neuerungen sind also nicht Neues für uns Drucker.

Ein weiterer Faktor, der den Wandel zum Käufermarkt seit mehr als zehn Jahren beeinflusst, ist das sagenumwobene Internet. Zum einen schafft es einen neuen Absatzkanal, erhöht aber auch gleichzeitig die Marktransparenz enorm. Auch das sind klare Merkmale eines Käufermarkts. Entstanden sind die sogenannten Online-Druckereien. Diese nutzen die Kombination aus neuen Technologien (Hard- und Software) mit dem neuen Absatzkanal Internet, um standardisierte Drucksachen zu vermarkten und sie mit einer sehr hohen Prozesseffizienz herzustellen. Man kann bzw. muss von einer Digitalisierung der Druckindustrie sprechen. Und hier fällt auch zum ersten mal das Wort Druckindustrie. Drucken ist, bis auf wenige Ausnahmen natürlich, inzwischen nichts anderes als eine industrielle Fertigung und muss auch als solche betrachtet werden. Die inzwischen etablierten Standards und Zertifizierungen sind klare Indikatoren hierfür.

Nun soll (und kann auch meist) nicht die Überlegung einer Druckerei dahingehen, (sofort) mit den großen Playern mithalten zu wollen. Man kann aber durchaus die grundlegenden Abläufe (Prozesse) in Teilbereichen übernehmen.

Prozesse? Nichts Neues!

Natürlich sind in einer Druckerei, wie in jedem anderen Unternehmen auch, Prozesse in unterschiedlichster Ausprägung bzw. Reifestufen etabliert. Gerade in Unternehmen wo bereits Zertifizierungsmaßnahmen erfolgt sind, beschäftigt man sich oft schon recht intensiv mit den internen Abläufen. Aber auch für kleinere Unternehmen lohnt es sich, die internen Abläufe und Strukturen zu überdenken und ggf. systemgestützt zu optimieren. Einfache Möglichkeiten und Werkzeuge, aber auch Beispiele aus der Praxis werden wir in den nächsten Beiträgen behandeln.

Hier geht es zum zweiten Teil!

Gerne beantworten wir Ihnen Ihre Fragen!