Keine irreführenden Lockangebote für Ihren web to print shop!

... denn wer's anbietet, der muss auch liefern können!

"Nur noch wenige Exemplare auf Lager!" ... "Schnell entscheiden, bevor es ein anderer tut!"  - Mit diesen oder ähnlichen Werbeanzeigen im Internet sollen Verbraucher zu schnellen Kauf-Entscheidungen bewegt werden. Im Grunde wollen die Werbetreibenden mit diesem "Prinzip der Verknappung" unterschiedliche Gefühle beim Verbraucher auslösen, die letztlich im Kauf des Produktes münden sollen. Verschiedene Gerichte haben dieser Praxis nun einen Riegel vorgeschoben.

Das Thema kann auch für einen web to print shop aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden:

  • aus der Sicht des Werbetreibenden/Händlers
  • aus Sicht von Online-Marketing-Experten
  • aus Sicht des Verbrauchers

Die Oberlandesgerichte Koblenz und Hamm haben jüngst in zwei Fällen zugunsten der Klägerparteien entschieden, die bei Verkäufen nach geschalteten Werbeanzeigen in Print- oder Online-Medien leer ausgingen. In beiden Fällen begründeten die Gerichte Ihre Urteile unter anderem mit den Begriffen der  "irreführende(n) Werbung" bzw. "wettbewerbswidrige(n) Lockangebot(es)".

Die Beklagten widerum beriefen sich darauf, mit Angaben zur "limitierten Stückahl" ausreichend auf den knappen Warenbestand hinzuweisen. Das Gericht stufte diese Bezeichnungen jedoch als "inhaltslos" ein und erklärte, dass Verbraucher zumindest eine realistische Chance haben müssten, das beworbene Angebot wahrzunehmen. In einem Fall war ein beworbenes Staubsaugermodell bereits nach 4 Minuten ausverkauft - in einem anderen Fall wurde der Anschein erweckt, ein E-Bike wäre noch verfügbar und lieferbar.

Welche Bedeutung das Thema für den Betreiber eines Printshops hat

Jeder Betreiber eines web to print shops hat natürlich ein berechtigtes Interesse daran, seine Druckprodukte zu verkaufen. Hier dürfte es keinen Unterschied geben zum o.g. Staubsauger- oder Fahrradhändler. Auch wenn viele Druckprodukte "on demand" und zudem individualisiert vertrieben werden, kann die abgemahnte "Verknappungsfalle" dem Shopbetreiber auch hier auf die Füße fallen, etwa wenn ein Angebot (z.B. individualisierter Druck einer Einladungskarte) an ein bestimmtes Papier gebunden ist (nur in Verbindung mit dem Papier XYZ....):

Wenn dieses dann ohne realistische Chance für den Verbraucher angeboten wird, um dann

  • entweder nach kurzer Zeit ausverkauft zu sein
  • oder dann lediglich als Alternative mit einem teureren Papier angeboten zu werden

ist es zumindest denkbar, dass die Gerichte ähnlich verfahren würden wie in den oben genannten Fällen. Der Fairness halber sei angemerkt, dass z.B. das OLG Koblenz in seinen Ausführungen weder eine "angemessene Stückzahl" noch eine "angemessenen Zeitraum" genannt hat, in der das Angebot wie versprochen verfügbar sein muss. Hierfür soll auf Erfahrungswerte zurückgegriffen werden, was Händler ratlos machen dürfte.

Warum Online Marketing Experten zu Vorsicht beim "Verknappungsprinzip" raten sollten

Jeder (!) Mensch mag das gute Gefühl, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Jeder Online-Shopper möchte eine emotional getroffene Entscheidung im Nachhinein rational rechtfertigen können: "Die Jacke war zwar teuer, aber es ist bald Winter, da brauche ich eine gute Winterjacke!". Wer sich dann selber damit beruhigen kann, dass von diesem Produkt "ja nur noch ganz wenige überhaupt auf Lager waren" und kann diese Rechtfertigung dann (wie oft in Werbeanzeigen zu lesen) mit dem "Hammerpreis" schmücken, den mag dabei ein (zu Recht) schönes Elite-Gefühl überkommen.

Beim Betreiben eines Onlineshops gibt es natürlich den Unterschied zwischen der "natürlichen" Verknappung (wenn nur 1000 Briefumschläge in Ihrem Lager sind, haben Sie nur 1000 Briefumschläge) und der künstlich erzeugten und damit wie o.g. vortäuschenden Verknappung, die den Verbraucher zu einer schnellen Entscheidung drängen soll. Hiervon ist natürlich Abstand zu nehmen.

Es gibt heutzutage über das Warenwirtschaftssystemen sehr präzise Einstellungs- und Anzeigemöglichkeiten dazu, wie viele Stück eines Artikels noch auf Lager vorrätig sind. Wer sich also für den erfreulichen Weg der transparenten Gestaltung entscheidet, wird nicht an technischen Hürden scheitern. Dennoch sollte ja nach branchenabhängiger Konkurrenz-Situation im Internet beim Verbraucher nicht von vornherein der Eindruck erweckt werden, das gewünschte Produkt sei nicht verfügbar - er würde umgehend zu einem Wettbewerber ausweichen.

Warum Verbraucher nicht getäuscht werden wollen

Genauso gerne, wie Verbraucher ein Schnäppchen ergattern möchten, so ungerne möchten sie vom Händler getäuscht werden. Das ist nur allzu verständlich, denn wer möchte schon gerne mit falschen Fakten zu einer Entscheidung gebracht werden? Nur - der heutige Verbraucher setzt sich dann anders zur Wehr, als er es vielleicht noch vor einigen Jahren getan hat.

Wer sich vor dem Zeitalter von Bewertungsportalen oder sozialen Netzwerken bei oder über einen Händler beschweren wollte, dessen Anliegen wurde (wenn es denn zum Vortragen kam) in den Beschwerestellen der Versand-Händler ... nun, sagen wir mal ... nicht unbedingt mit priorisiertem Hochdruck und dem Willen nach Zufriedenheit des Kunden bearbeitet. Die örtlichen Verbraucherzentralen nahmen sich der Beschwerden der Kunden zwar an, doch liefen die Vorgänge in den meisten Fällen eher ohne große mediale Aufmerksamkeit ab.

Heute greifen die Verbraucher auf die Kraft der sozialen Medien zurück: Ein gepfefferter Beitrag in den sozialen Netzwerken (gepaart womöglich mit einer unpassenden Reaktion des Shops) kann für einen "Shitstorm" sorgen, der eine mediale Reichweite erlangt, den der Betreiber eines Onlineshops sich in seinen schlimmsten Albträumen nicht auszumalen vermochte. Daher sollten Händler sich auch abseits der Gefahr vor Abmahnungen ihrer Konkurrenten ganz genau überlegen, welche Wege sie einschlagen, um Interessenten zu einem Kauf zu bewegen.

Fazit

Wir sagen: Ehrlich währt am Längsten!
Wer den transparenten Weg wählt und ein gutes Produkt zu einem fairen Preis mit einem guten Service im Internet anbietet, der muss nicht auf das Prinzip Hoffnung (Verknappung) setzen, um erfolgreich zu sein.

Gerne beantworten wir Ihnen Ihre Fragen!